Transport und Versorgung auf dem Werksgelände

Die Grundstoffe wurden in Güterwaggons und Kesselwagen bis zum werkseigenen Bahnhof Steinholz von der Reichsbahn angeliefert. Von da aus übernahmen aus Sicherheitsgründen feuerlose Dampflokomotiven den Transport bis ins Werksgelände.

Die Waggons wurden an mehreren Laderampen entladen und die angelieferten Produkte in verschiedene Lagerhäuser gebracht. Schüttgut wurde in Silos gelagert und die flüssigen Stoffen aus den Kesselwagen wurden durch ein weitverzweigtes Rohrsystem in verschiedene Kesselhäuser und unterirdische Tanks (z.B. Toluol-Lager 301 oder Säurelager 325) gepumpt.

Auf der 17 km langen Ringstrecke (Fremdlink ») mit Ausweichgleisen und Stichstrecken der Werksbahn durften wegen Funkenflug und damit verbundener Explosionsgefahr bei normalen Dampfloks nur feuerlose Speicherloks fahren. Diese kleinen Loks hatten Überdruckkessel die an Füllstellen aus dem Werksdampfnetz befüllt wurden.Auf dem weitverzweigten Straßennetz innerhalb des Werks durften nur Elektrokarren fahren, diese übernahmen den Kleingüter- und Personentransport.

Ein sehr prägendes Element des Werks waren die auf Stahl- oder Betongerüsten (Abb. P1.4) kreuz und quer durch das gesamte Fabrikgelände laufenden Rohrstränge, teilweise waren bis zu zehn Rohre an diesen befestigt. Neben isolierten Dampfleitungen, Hochdruckdampfleitungen und weiß ummantelten Säureleitungen gab es Druckrohre mit aufgeschweißten Dampfleitungen. Diese Druckleitung verband z.B. die Gebäude der Tri-Herstellung. War in einem Gebäude der Prozeß beendet wurde das Zwischenprodukt durch diese Rohre zur nächsten Produktionsstufe gedrückt. Dieses "Abdrücken" des Sprengstoffbreis war äußerst gefährlich, der ca. 80-90 Grad Celsius heiße Brei durfte nicht erkalten da dies zu einer Explosion des Sprengstoffbreies führte. Trotz dass die Rohre vorgeheizt wurden kam es im Winter immer wieder zu gefährlichen Situationen.

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