Die TNT Verarbeitung

Nach der Fertigstellung der beiden Füllstationen und der Tri-Presserei konnte das TNT direkt im Werk weiterverarbeitet werden. In den Füllstationen wurde der Sprengstoff wieder verflüssigt und je nach Weiterverabeitungsart mit verschiedenen Zusatzstoffen versehen. Das heiße flüssige TNT wurde dann in Minen, Granaten und Bomben abgefüllt.
Die Sprengkörperrohlinge wurden in die Hüllenlager angeliefert, ausgepackt und auseinandergebaut.

Mit auf Schienen laufenden Handwagen wurden die Rohlinge zwischen den Gebäuden der Füllstation transportiert. In einem Heißluftkanal wurden die Rohlinge auf die Temperatur des flüssigen TNT erhitzt und im Gießhaus mit dem Sprengstoff gefüllt.

Eine Augenzeugin berichtet: "Ein riesengroßer Kessel, in dem der sog. "Tri", flüssiger Sprengstoff, fast zum Kochen gebracht wurde, beherrschte den Raum. Dann wurde dieser heiße Tri in 5-Zentner-Bomben gegossen, in Tellerminen, Wurfgrananten oder was gerade hergestellt wurde. Ich war ein paarmal in der Füllstation, heißer Dampf, die Arbeiter sahen bespritzt aus, hatten große Schürzen an und rührten mit langen Stöcken in dieser Masse, damit sich beim Erkalten keine Blasen bildeten."

Durch einen unterirdischen Kühlkanal schoben Arbeiter die Handwagen mit den jetzt befüllten Hüllen. Diese Kühlkanäle waren mit einer dicken Erdschicht bedeckt und verliefen gezackt. Da beim Abkühlen die Explosionsgefahr besonders hoch war sollte so ein übergreifen der Explosion auf die angrenzenden Gebäude verhindert werden.

Eine Arbeiterin berichtet: "Meine Halle 418 war ein großer rechteckiger Raum. Durch einen langen unterirdischen Kanal kamen von der Füllstation auf Schienen die Wagen mit den Bomben zu uns. Immer 6 Stück standen auf einem Wagen. Meine Aufgabe war es, den an der Bombenwand heruntergelaufenen Tri mit einem Spachtel abzukratzen. Dann mußten wir Mädchen die Schrauben für die Flügel der Bomben vordrehen, die Männer zogen sie dann mit Schraubenziehern fest. Dann wurden die Ringe für das Zündloch in Ölpapier eingepackt und oben an die Flügel gehängt. Bereits nach kurzer Zeit bekam ich kastanienfarbiges Haar, die Unterwäsche wurde rot; das kam von dem Tri-Staub."

Bevor die Sprengkörper für den Transport verpackt wurden, überprüften sie Mitarbeiter der Heeresabnahmestelle oder der Marineabnahmestelle auf Produktionsmängel. Die Prüfstellen wurden jeweils von einem Offizier geleitet.

Die Arbeit in den Füllstationen gehörte zu den gefährlichsten im ganzen Werk. Zwischen April 1943 und März 1945 explodierte die Füllstelle Ost einmal, die Füllstelle West dreimal.

Eine Füllstation bestand ursprünglich aus folgenden Gebäuden:

Zwei Hüllenlager -> 408/410
Vorbereitungsgebäude -> 412
Gießhaus -> 414
Kühlkanal -> 416
Fertigungsgebäude -> 418

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