Die Abwasserproblematik

Die Fabrik Hess. Lichtenau war die umweltschädlichste der 27 Sprengstoffwerke der Verwert-Chemie. Erst nach zähen Verhandlungen, Einholen von Gutachten und Befragung staatlicher Stellen (Reichnähramt, Fischereiamt, Reichsamt für Wasser- und Luftgüte) war die Verwert-Chemie und damit die D.A.G. bereit Entschädigungen zu zahlen.

Folgende Summen wurden bezahlt:

1941/42 -> 260 731.- RM
1942/43 -> 128 190.-RM
1943/44 -> Keine Angaben
1944/45 -> 81 182.- RM

Während der gesamten Produktionszeit spielte die Abwasserproblematik eine untergeordnete Rolle. Während der Ausbau der Produktion und damit der Bau eines Bunkers nach dem anderen vorrangetrieben wurde, entstand die Kläranlage erst drei Jahre nach Anlauf der Produktion. Dies bedeutet das drei Jahre lang sämtliche Abwässer des Werks fast ungeklärt in die Losse und ab 1941 teilweise direkt in die Fulda geleitet wurden. Die extrem saueren Abwässer waren mit Nitroverbindungen verunreinigt die bei der Herstellung von Trinitrotolul (TNT), Trinitrophenol (Pikrin) und bei der Schwefelsäurekonzentration entstanden.

Eine Augenzeugin berichtet: "Oft war das Wasser der Losse rot eingefärbt, manchmal mehrmals am Tag für Stunden. Da wußten wir in Helsa das sie in der "Mohrenkopf-Fabrik" wieder Abwasser ablassen. Einmal ist ein Rohr zwischen Waldhof und Helsa gebrochen und rotes Wasser floss den Abhang hinunter, im nächsten Jahr wuchs noch nicht mal Grass an diesem Hang."

Die Abwasserbeseitigung auf dem Werksgelände war sehr schwierig. Alle "Waschwässer" mußten in getrennte Kanäle abgeleitet werden, denn ein mischen konnte zu Explosionen führen. Trotzdem kam es mehrmals zu Explosionen die Teile desKanalnetzes zerstörten.

Ein Teil des Abwassers aus den Waschhäusern (Abb. P2.1, gesprengter Eingang) wurde in Absetzbecken, sogenannten Schikanen (Abb. P2.2) vorgefilter, bevor es in die Kanalisation abgeleitet wurde.

Auch die Mitte 1941 in Betrieb genommene Neutralisation (Kläranlage) konnte das Abwasserproblem nicht lösen. In mehreren Gebäuden und Becken wurde versucht mittels Ätzkalk die sauren und giftigen Abwässer zu neutralisieren. Der eingesetzte Kalk wurde aus den Abscheidebecken als Gipsschlamm ausgefiltert und auf der sogenannten Tri-Halde gelagert. Bei plötzlich steigenden Abwassermengen mußten jedoch die Schieber geöffnet werden und die "Brühe" gelangte wieder vollkommen ungefiltert in die Losse, aber selbst im Normalzustand arbeitete die Anlage nur unzureichend.

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