Lager rund um das Werk

In der näheren Umgebung des Werks wurden mehrere Lager (Übersicht Abb. 3.2) zur Unterbringung der Freiwiligen, Dienstverpflichteten aus den besetzten Gebieten kommende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und ab 1944 KZ-Häftlinge erbaut. Im Verlauf des Krieges als immer mehr Männer zum Wehrdienst eingezogen wurden, stieg der Anteil der in der Produktion beschäftigten Frauen und die Zahl der im besetzten Ausland dienstverpflichteten Arbeiter, auch der Anteil von Kriegsgefangen und KZ-Häftlingen stieg stark an. Entgegen der ursprünglichen Anweisung Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge nicht in wichtigen, zentralen Rüstungsbetrieben einzusetzen, wurde dies durch den enorm gestiegenen Bedarf der Wehrmacht an Rüstungsgütern und der gleichzeitig sinkenden Arbeitskräftezahl unumgänglich.

Die Unterbringungsarten waren sehr verschieden. So erhielten deutsche freiwillige und dienstverpflichtete Arbeiter eine für diedamalige Zeit gute Lager-Unterkunft. Auch die Freiwilligen und Dienstverplichteten aus den besetzten Westgebieten wie Frankreich, Belgien und Holland hatten aktzeptable Unterkünfte und erhielten zumindest in den ersten Jahren auch Heimaturlaub. Die Unterbringung der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen aus den östlichen Gebieten war getreu der damals herrschenden Ideologie vom "Untermenschen" im Osten unzureichend im Verlauf des Krieges immer schlechter werdend. In den letzten Kriegsmonaten wurde ein Teil des Lagers Vereinshaus abgeteilt und ungarische Jüdinnen darin untergebracht. Das gesamte Lager Vereinshaus war ursprünglich für 700 Personen vorgesehen, die jetzt in einem Teil davon untergebrachten 1000 Jüdinnen lebten darin unter katastrophalen Bedingungen.

Lager Vereinshaus
Zehn Wohnbaracken, zwei Küchenbaracken, zwei Waschbaracken, drei Abortbaracken, sechs Lagerbaracken. Geplant für 700 Personen, Ende 1944 mit 1000 Ost-Arbeitern + 1000 KZ-Häftlingen (abgetrennt) belegt.

Lager Föhren
Sieben Wohnbaracken (1942), eine Küchenbaracke, zwei Waschbaracken, zwei Abortbaracken. Geplant für 1000 Personen wurde das Lager 1942 verkleinert und 500 Ukrainerinnen darin untergebracht.

Lager Falkenhorst
Fünf Steinbaracken, das Lager wurde nie richtig fertiggestellt, darin Untergebracht waren ca.200 Wehrmachtsangehörige.Lager EscheGeplant für 1000 Personen. Anfangs deutsche Baurbeiter, dann deutsche Arbeiterinnen, Ukrainerinnen und zuletzt russische Arbeiter.

Lager Teichhof
22 Wohnbaracken, eine Wirtsachaftsbaracke, eine Verwaltungsbaracke, eine Krankenrevier, eine Kantinenbaracke, eine Wohnung für den Lagerverwalter, zwei Gerätebaracken, eine Wache und vier Abortbaracken. Geplant für 850 Personen belegt mit ca. 1000 Personen.

Lager Friedrichsbrück
Fünf Wohnbaracken, eine Küchenbaracke, eine Waschbaracke, zwei Abortbaracken und einen Brennholzschuppen. Geplant und Untergebracht ca. 350 Bauarbeiter.

Lager Waldhof

Das Lager Waldhof unterschied sich von den anderen Lagern durch die sorgfältige Planung und Ausführung. Die hufeisenförmig angeordneten Häuser hatten Ziegelgedeckte Satteldächer, waren massiv gemauert und hatten sogar Fachwerkimitat an den Giebelwänden. 50 Wohnhäuser, ein Sanitätshaus, ein Gemeinschaftshaus mit Kantine, Wasch- und Baderäumen, Friseur und einer Wäscherei. Geplant für 1500 Personen, Anfangs nur mit deutschen Arbeiterinnen und später auch mit Arbeiterinnen aus westlichen Staaten belegt.

Lager Herzog
22 Wohnbaracken, eine Kurzzeit-Unterkunftsbaracke, ein Gemeinschaftsgebäude, eine Großkantine für über 1500 Personen, ein Sanitätsgebäude, ein Bade- und Wäschereigebäude, ein Vorratsgebäude, eine Fahrradbaracke, ein Heizgebäude, ein Wohnhaus für die Lagerverwaltung, ein Strohschuppen und sechs Luftschutzkeller. Geplant für 1000 Personen zum Teil mit bis zu 1200 Arbeitern belegt. Anfangs nur von deutschen Arbeitern bewohnt, später auch von Arbeitern aus westlichen Staaten und einigen polnischen Arbeitern bewohnt.

Lager Lenoir
Ein ehemaliges Waisenhaus gestiftet von den Gebr. Lenoir, bestehend aus drei großen Steinhäusern. Ein Gebäude wurde von männlichen Werksangestellten bewohnt, ein zweites von weiblichen Angestellten und das dritte Gebäude diente als Werkslazerett.

Lager Steinbach
Sechs Wohnbaracken, eine Gemeinschaftsbaracke, eine Sanitäts- und Wäschereibaracke, ein Badehaus, ein Waschhaus, ein Haus für den Lagerleiter, eine materialbaracke, eine Kantinenbaracke und eine Abortbaracke. Belegt von ca. 300 Arbeitskräften die in der beschlagnahmten Hansa Schwerweberei Spezialmaschinen und Werkzeug fertigten.

Siedlung Fürstenhagen
Die Siedlung Fürstenhagen diente zur Unterbringung leitender Angestellten und der Werksführung. 15 dreistöckige Steingebäude mit Wohnungen für Angestellte mit Familie, vier Häuser für die Werksführung und ein Wohnheim für ledige Angestellte.

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