Gesundheitsgefahren, Unfälle und Explosionen

Es ist zwar erwiesen das gerade die Arbeiter aus den ehem. Ostgebieten zu besonders gefährlichen Arbeiten eingeteilt wurden, wie z.B. das schieben der mit Granaten beladenen Handwagen durch die Kühlkanäle, oder das Umrühren des Sprengstoffbreis in den Nitieranlagen, aber auch die deutschen Arbeiter waren den Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Besonders in sensiblen Bereichen sollten wenn möglich deutsche Arbeiter eingesetzt werden.

Eine Zeitzeugin berichtet: "Wir wohnten in der Nähe der Sprengstofffabrik und meine Schwestern und ich wurden dienstverpflichtet, ich hatte Glück und kam in eine Weberei die Fallschirme und Zeltplanen herstellte, eine meiner Schwestern jedoch mußte in der Sprengstofffabrik arbeiten. Als sie schwanger war meldete sie dies nicht, obwohl die deutschen Frauen dazu angehalten waren. Das Kind war bei der Geburt ganz schwach und gelb, es starb nach einem Tag weil es keine Luft bekam."

Viele Arbeiter die in direkten Kontakt mit dem Sprengstoff oder seinen Zwischenprodukten standen, bekamen mit der Zeit durch Pigmentverfärbungen kastanienrote- oder gelbfarbene Haare und bronzefarbene Haut, dieses führte zu den Spitznamen Kanarienvögel und Goldköpfchen, viele der Arbeiter fanden die so "eingefärbten" Frauen sehr attraktiv. Bei längeren oder intensiven Kontakt mit den Sprengstoffen führte die Vergiftung zu Leberschäden und Leukämie die oft tödlich endeten. Das Einatmen der Dämpfe beim Umrühren des Sprengstoffbreis und der Säuredämpfe in den Spaltanlagen führte oft zu irreperablen Lungenschäden.

Bei einem so großem Werk und denn vielen zusätzlichen Bauarbeitern die unaufhörlich das Werk erweiterten oder reparierten, war natürlich eine hohe Zahl an "normalen" Arbeitsunfällen wie Quetschungen, Schnitte und Brüchen fast unvermeidbar, diese stieg aber stark an im Laufe der Kriegsjahre. Ausgelöst wurde dieser Anstieg der Unfälle durch immer höhere Anforderungen an die Produktions- und Bauarbeiter, gesteigerte Produktion bei gleichzeitig gesenkten Sicherheitsmaßnahmen und nicht zu vergessen der schwindenden Anzahl von Fachkräften die an die Front mußten.

Datum Tote Verletzte Nr. Funktion Schaden
06.09.1938 11 k.A. 305 Nitrierhaus k.A.
22.10.1940 5 4 Tri-Station Vergiftung
17.03.1941 17 k.A. 370 Fertigung Zündanlagen k.A.
07.05.1941 - 1 TNT-Nitrierhaus 4% Produktionsausfall
07.05.1941 - k.A. Fabrik Eschenstruth Feuer
04.08.1941 - 2. 337 Nitrieranlage 60 000 RM Schaden
25.05.1943 15 53 412/414 Füllstation Ost Explosion 150 000 RM Schaden
10.04.1943 63 k.A. 413/415 Füllstelle II West Explosion 1,25 Mill. RM Schaden
02.06.1944 k.A. k.A. Säure-Spaltanlage Verpuffung, 2600 Tonnen Oleum Ausfall
14.08.1944 1 2 352 Pikrin-Nitrierhaus 150 000 RM Schaden
25.02.1945 1 k.A. k.A. k.A.
31.03.1945 13 k.A. 413/415/417 Füllstelle II West k.A.
Die Folgen der heute noch nachweisbaren Unfälle und Explosionen im Werk Hess. Lichtenau.

E-Mail